Sparkasse: Denk mal!

Sparkasse wirbt bei Radfahrenden für Autokauf – Auszeichnung mit
Negativpreis ‚denk mal!’

Der Versuch der Sparkasse, Radfahrende als Werbezielgruppe zu erschließen, endete mit einer Bauchlandung. Für die Idee, eine Werbung für einen Autokauf an Radfahrende zu verteilen, erhielt die Sparkasse nun den neu geschaffenen Negativpreis „denk mal!“ der Aktion ‚Ich-kauf-per-Rad’.

Mit Kopfschütteln und Kritik reagieren die Initiatoren der Aktion ‚Ich-kauf-per-Rad’ auf die jüngste Werbekampagne der Darmstädter Sparkasse. „Bei Radfahrern unter dem Slogan ‚Lässt Ihr Fahrrad schnell zum Auto werden’ für einen Konsumentenkredit zu werben, ist daneben.“ kritisiert Stefan Opitz, Vorstandssprecher des IVDA, die jüngst von der Sparkasse an stehenden Fahrrädern in Darmstadt verteilten Flyer mit diesem Aufdruck (siehe auch anhängendes Bild). „Die Werbebotschaft stellt völlig unverhohlen Radfahren als eine minderwertige Form der Fortbewegung dar. Ausgerechnet die Sparkasse konterkariert damit das gemeinsame Ziel vieler aktiver Partner aus Verwaltung, Politik, Verbänden und weiteren Organisationen, mehr Menschen für’s Radfahren in Alltag und Freizeit zu begeistern.“ so Felix Weidner von den Darmstädter GRÜNEN.

Ganz abgesehen von der klar verfehlten Werbebotschaft habe sich die Sparkasse offenbar auch nicht richtig über die angesprochene Zielgruppe informiert. „Mit der unterschwelligen Botschaft der Webung, dass die Menschen durch ihren ökonomischen Status zum Radfahren gezwungen werden, liegt die Sparkasse völlig daneben. Das Gegenteil ist der Fall,“ erläutert Roland Gürtler vom ADFC Darmstadt. „Die Fahrradnutzung ist über alle Einkommensschichten relativ konstant, aber gerade in Haushalten mit niedrigem Einkommen am geringsten.“ zitiert Gürtler aus jüngst von der Stadt Darmstadt veröffentlichten Daten (Statistische Mitteilung der Wissenschaftsstadt Darmstadt 1/2011, Mobilität in Darmstadt, S. 31ff).

Fahrradfahren im Alltag ist weder Zwang noch Pflicht, sondern für die Mehrheit der Radfahrenden eine bewusste und gewollte Entscheidung, sind sich die Organisatoren von Ich-kauf-per-Rad einig. „Radfahrer haben nachweislich weniger Krankheitstage, sind konzentrierter und leistungsfähiger bei der Arbeit, halten sich bereits auf ihren täglichen Wegen fit und tun ganz nebenbei noch etwas für die Umwelt – um nur einige gute Gründe zu nennen, die fürs Fahrrad sprechen.“ so Georg Mehlhart vom BUND.

In der Hoffnung, dass die Sparkasse demnächst besser über die Botschaft Ihrer Werbung nachdenkt, haben die Ich-kauf-per-Rad Initiatoren eine kleine Gedankenstütze entwickelt: „Der Negativpreis ‚denk mal!’, ein Spielzeugdinosaurier in einem rosa Plastikauto, soll die Verantwortlichen bei der Sparkasse aus gegebenem Anlass daran erinnern, dass unabhängig vom eigentlichen Produkt auch der Kontext und die Verortung der Werbung eine große Bedeutung haben. Mit etwas mehr Einfühlungsvermögen und einfacher Recherche hätte die Sparkasse sich diesen unnötigen Fehltritt sparen können.“ so Weidner. „Mit dem ‚denk mal!’ wollen wir auch in Zukunft gemeinsam besonders bemerkenswerte Fehlentwicklungen bedenken.“ so Opitz abschließend.

Annehmen wollte die Sparkasse den Preis nicht.

(Link zu Scan des Werbeflyers)

 

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